Krimi_Dolores

Dolores
Es war ein kalter, regnerischer Tag. Thomas schlief noch tief, als die Regentropfen gegen die Scheibe schlugen. In seiner Wohnung war es dunkel und leer. Offensichtlich schlief sein Hund Otto auch noch. Plötzlich erklang das Telefon und weckte Thomas auf. Er nahm den Hörer ab und hörte seinen Chef, Detektiv Siegfried.
-          Wir haben die Leiche im Fitnesszentrum gefunden.
-          Wessen Leiche?
-          Inhaber eines Fitnesszentrums. Kennst du ihn?
-          Ja. Ich trainiere dort jeden Tag.
-          Oh. Das ist nichts, was man am Telefon bespricht. Ich warte auf dich am Ort.
Thomas zog sich schnell an und war nach 10 Minuten am Ziel angekommen. Das Fitnesszentrum sah anscheinend genauso wie immer aus.  Nur neben dem Laufband, auf dem Thomas immer läuft, lag die Leiche des Trainers. In der Nähe fand er auch eine Flasche mit einem isotonischen Getränk.
-          Er wurde weder erschossen noch geschlagen. Am ganzen Körper sehe ich keine Spuren.
Mal sehen, was die Autopsie beweist, aber ich denke, dass er erwürgt wurde. Ich sah, dass der Parkplatz des Fitnessstudios mit Monitoring überwacht ist. Ich will die Aufnahme so schnell wie möglich ansehen.
-          Alles klar, ich bereite sie für dich vor.
Nach dem Anschauen der Videoaufnahme ergab sich, dass ein Mann genau um 22:34 Uhr, also 34 Minuten nach Schließung des Fitnessstudios, von dort in Eile weggegangen war. Er war 2 Meter hoch, muskulös und glatzköpfig und dazu hatte er eine gelbe Sporttasche mit dem Gesicht von Rocky Balboa darauf. Der Detektiv wusste sofort, wer er ist. Sein Name war Sebastian Meier. Er war ein Dauergast in diesem Fitnessstudio. Was noch interessanter ist, er hatte einmal Thomas gesagt, dass er sehr gern über ein solches Geschäft verfügen würde… Dem Detektiv blieb nichts anderes übrig als Bastian zu verhören.
Während der Vernehmung war Bastian sehr nervös und nicht kohärent. Er sagte, dass er nichts gemacht habe und dass er nur ein bisschen länger da geblieben sei, um die Sauna zu benutzen. Auf die Frage, warum er nicht dem liegenden Menschen geholfen habe, antwortete er, dass er ihn nicht gesehen habe. Der Detektiv fragte noch warum er in Eile herausgegangen sei, er antwortete aber, dass er früh einen vereinbarten Termin mit seinem Bruder bei ihm zu Hause gehabt habe. Sein Bruder bestätigte diese Version leider.
„Bastian hat also ein starkes Alibi“ – teilte Thomas seinem Chef mit. Irgendwie glaubte er von Anfang an an die Unschuld seines muskulösen Kollegen von dem Fitnessstudio. Thomas verließ sich oft in der Arbeit auf seine Detektiv-Intuition – in diesem Fall flüsterte sie ihm wieder zu, dass sich das kriminelle Rätsel nicht so schnell lösen ließe; er müsse sich viel Mühe geben, um den Mörder zu finden.
Am Abend desselben Tages bekam der Detektiv die Ergebnisse der Autopsie, die zeigten, dass der Getötete vergiftet worden war. Auch die Experten, die die Zusammensetzung des isotonischen Getränkes untersuchten, fanden Cyanid als dessen Komponente. Den Mord konnte also jeder begehen, der sich in der näheren Umgebung des Fitnessstudiobesitzers befand.
Der Detektiv fand bald heraus, dass sowohl er als auch der Getötete dieselbe Putzfrau anstellten. Die alte, herzensgute Spanierin namens Dolores konnte wegen ihrer schlechten Deutschkenntnisse keine andere Arbeit als Putzen und Kochen finden. Für Thomas war sie wie eine Mutter – herzlich und fürsorglich. Die Eltern des Detektivs waren bei einem Autounfall verstorben, als er klein war, deswegen spielte die alte Putzfrau eine wichtige Rolle für ihn. Obwohl Thomas sie nicht anstrengen wollte, musste er sie verhören. Das Lösen dieser komplizierten Geschichte würde seine Träume von der Beförderung realistischer machen, deswegen brauchte er den Fortschritt in dem Ermittlungsverfahren.
Das Verhör der Putzfrau war nicht so einfach – sie spricht doch nicht so gut Deutsch. Sie hat natürlich bestätigt, dass sie bei dem verstorbenen Mann arbeitete, aber am Tag des Todes war sie nicht in seiner Wohnung. „Wieder keine Spuren“ – dachte Thomas irritiert. Er kam nach Hause zurück, machte sich eine Tasse Kaffee und setzte sich auf den Boden in der Küche – so konnte er seine Gedanken besser ordnen. Auf dem Boden unter dem Kühlschrank sah er ein kleines Schnipsel Papier. Er hob es auf. Das war ein Ausschnitt aus einer alten Zeitung. Da stand nur der Zeitungskopf „ Spanisch – deutsche Tragödie“. Er war verwundert, aber auch neugierig – was soll es bedeuten? Glaube oder nicht, seine Intuition flüsterte ihm wieder zu, dass der kleine Zettel etwas Wichtiges sein könnte. Er stellte seine Tasse Kaffee ab und machte den Laptop an. Immer wenn man etwas sehr schnell machen möchte, geht es nicht. Das heißt wirklich die Tücke des Objekts. Der Laptop startete ewig. Letztendlich machte er Google an. „ Spanisch – deutsche Tragödie“. Entertaste.
Thomas verbrachte den ganzen Nachmittag vor dem Computer. Er hatte schon keine Zweifel mehr. Er brauchte jetzt nur die Beweise.
Am nächsten Tag kam Dolores wie jeden Montag zu ihm. Er wusste, dass er das nicht machen sollte, aber das Bedürfnis nach einer Lösung des Rätsels war gröβer. Als Dolores in der Küche verschwand, nahm er die Schlüssel ihrer Wohnung und ging hinaus. „Sie wohnt doch sehr nah, sie wird nichts bemerken“ – dachte Thomas.
Er fuhr mit dem Auto um heimlich in die Wohnung von Dolores zu gehen. Er beschloss die Wohnung zu durchsuchen. Es dauerte nicht so lange, bis er etwas Interessantes fand. Das war ihr Zimmer, das mit Ausschnitten aus der Zeitung vollgeklebt war. Was für eine Zeitung war das? Der Kommissar war nicht überrascht. Das war dieselbe Zeitung, deren Schnipsel er in seiner eigenen Wohnung vorher gefunden hatte. An den Wänden hingen Fotos des Täters der Vergewaltigung. In dem Moment begriff er alles. In aller Eile kam er nach Hause zurück um seine Putzfrau unter Mordverdacht festzunehmen. Sie war weder überrascht noch erschrocken als ob sie auf diesen Moment gewartet hätte. Die Zurückhaltung, die in ihrem Gesicht sichtbar war, ließ das Blut in den Adern des Kommissars gefrieren. Er fragte sie: „Hast du etwas zu deiner Verteidigung zu sagen?“ Dolores antwortete: „Ich musste das einfach machen…. Ich dürstete nach Rache. Er vergewaltigte meine Tochter. Er war verantwortlich für ihren Selbstmord, den sie zwei Tage nach der Vergewaltigung beging. Sie konnte mit dieser Situation nicht zurechtkommen. Ich verlor sie für immer. Jetzt ist mir alles egal. Mein Leben hat schon seit 10 Jahren keinen Sinn.“ Schließlich berichtete der Kommissar über dieses Ereignis in der Polizeiwache. Dolores wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.
 
Aleksandra Dobrzycka
 Lidia Markiewicz
 Mateusz Prus
 Aleksandra Putowska
 Martyna Salamon
 
 
 
 


Kontakt
Instytut Lingwistyki Stosowanej UAM
ul. 28 Czerwca 1956 nr 198
61-485 Poznań
                             
Sekretariat
tel. +48 61 829 29 25
fax. +48 61 829 29 26
                             
Webmaster
Mateusz Ławniczak
mateusz@amu.edu.pl
                             
Media społecznościowe