Krimi_Die Vergangenheit klopft an die Tür

Die Vergangenheit klopft an die Tür
Frankfurt am Main, 18. Oktober 2016

An diesem Abend erschallte nur ein Satz in dem Büro von Carlos: „Unser Kind wurde entführt“. Die Luft war zum Schneiden, so gestresst waren die Eltern vom kleinen Thilo. Carlos war ihre letzte Hoffnung. Sie hatten kein Geld, die Firma war Pleite gegangen. Die Polizei würde auch nichts tun.

Carlos saß an seinem Tisch und rief die Bilder aus seiner Kindheit hervor. Ein kleiner Junge, aus der Gesellschaft ausgeschlossen wegen der Herkunft seiner Eltern. Mutter aus Kolumbien, Vater aus China, er aus nirgendwo. „Mischling” klang in seinem Kopf die Beschimpfung aus der Kindheit, die er in den USA verbracht hatte. Der einzige Trost war für ihn das geliebte Karate, das ihm geholfen hatte, den Ärger abzubauen. „Scheiße” schrie er wütend und schlug mit der Faust auf den Tisch, „ich muss ihnen helfen“. Er wusste, dass er dafür kein Geld bekommen würde. Sein Blick war in den Drohbrief gebohrt. „Was machen wir damit?” rief Sabine. Die Mitarbeiterin von Carlos fand die Sache frappierend. Sie nahm den Brief in die Hand. Aufgeregt saß sie auf dem Sofa und dachte „verdammte Schurken“. Als sie am Ende des Briefes angelangt war, fühlte sie sich beunruhigt. Der Druck schien ihr bekannt, der Ort der Übergabe von dem Lösegeld war ihr auch ein bisschen vertraut. „Mein Gott, ich muss meine Vergangenheit abschneiden. Sie ist schon lange vorbei. Ich habe nichts mehr mit der Mafia zu tun. Sie sollten schon weit weg von hier sein.” dachte sie. Dass sie mit der Mafia zu tun gehabt hatte, davon hatte Carlos keine Ahnung. „Er würde mich nicht mehr sehen wollen, wenn er davon wüsste. Aber Mensch, er ist so ein leidenschaftlicher Geliebter…”. Sabine konnte die Gedanken nicht verdrängen. In diesem Moment fühlte sie die zärtliche Berührung seiner Hand. „Wir müssen jetzt nicht an diese schreckliche Entführung denken, Schatz.” sagte er.
Am nächsten Tag kam die Zeit um das Lösegeld zu übergeben. Carlos und Sabine erschienen an dem im Drohbrief genannten Ort. Als Carlos aus dem Auto ausstieg, um das Paketmit dem falschen Geld hinzulegen, blieb Sabine alleine drin. Plötzlich sah Sabine ein bekanntes Gesicht im vorbeifahrenden Auto. Ihr Herz blieb stehen. „Uwe”, dachte Sabine. Diese Narbe im Gesicht lässt sich nicht vergessen. Der Mafiaboss bemerkte sie auch und wies den Fahrer an wegzufahren. Carlos stieg wieder ins Auto. Beide waren aufgeregt, Sabine aber aus einem anderen Grund. Nach einer halben Stunde des Wartens sagte Sabine „Es wird nichts daraus, fahren wir nach Hause.“.
Nach ein paar Tagen steht Sabine morgens auf und öffnet die Mailbox. Sie sieht eine E-Mail von einem unbekannten Sender: „Wir haben dich gesehen. Um das Kind lebend und gesund zurückzugewinnen, musst du 500.000 Euro bezahlen. Anderenfalls wird dein Geliebter von deiner Vergangenheit erfahren. Die Zeit läuft schnell. Doch du erinnerst dich bestimmt daran- das Kind ist krank.” Sabine blättert die Unterlagen aufgeregt durch. „Krank? Wie konnten wir das nicht merken?” In diesem Moment entscheidet sie, dass sie alles machen wird, um das Geld zu sammeln. Im Hinterkopf steht der Gedanke: Alleine werde ich das nicht schaffen. Es bleibt mir nichts übrig, als meinen Vater anzurufen.
„Hi Papa! Ich muss dringend mit dir reden. Ich brauche Hilfe, und zwar es geht um Geld.“ – Sie brachte diese Worte kaum über die Lippen. Immer war sie so selbstständig, aber dieses Mal gibt es keine bessere Lösung. „Carlos darf davon nichts erfahren.”- murmelte sie vor sich hin.
Als sie auf dem Weg zurück von ihrem Vater war, rief Carlos sie an. „Hi Sabine, um wie viel Uhr treffen wir uns?“. Sabine erstarrte und dachte: „Ich habe es total vergessen. Ich muss direkt zu ihm, weil er davon Wind bekommt.” Ich bin auf dem Weg zu dir”- antwortete sie ihm.
Nach einem leidenschaftlichen Abend nahm Sabine eine Dusche. Als Carlos das Geschirr gespült hatte, griff er nach dem Mantel, weil das Handy von Sabine klingelte. Er bemerkte aber, dass es in der anderen Manteltasche einen dicken Briefumschlang mit viel Geld gab. Im demselben Moment öffnete Sabine die Tür vom Badezimmer. Carlos warf den Mantel schnell auf das Sofa und ging ins Bett.
Am nächsten Morgen verabschiedeten sie sich und Sabine fuhr direkt zum früher von der Mafia genannten Ort. Als sie unterwegs war, begann Carlos ihr zu folgen. Nach der Situation mit dem Geld in der Jackentasche, wurde er den Gedanken nicht los, dass Sabine etwas vor ihm verheimlichte. Die Verfolgung führte ihn zu einem alten, schäbigen Fabrikgebäude. Durch das Fenster sah er eine Balgerei, in die Sabine verwickelt war. Ohne zu zögern griff Carlos ein. Der erste Typ von der Mafia wurde von ihm ohne Anstrengung niedergeschlagen. Als der zweite Typ Carlos bemerkte, ergriff er Sabine. Carlos näherte sich langsam und der Typ schrie: „Bleibe wo du bist!”. In diesem Moment machte Sabine sich los. Sie rannte weg um das Kind zu retten. Während dessen rechnete Carlos mit dem Mafioso ab. Zum Glück war das Kind sicher.
Nach den heftigen Ereignissen forderte Carlos Erklärungen von Sabine. Er versuchte sich in ihre Situation hineinzufühlen. Sie brauchten aber viel Zeit, um wieder einander zu vertrauen.  

 
Ewelina Brzyska
Weronika Dolata
Aneta Dudek
Małgorzata Piotrowicz
 
 


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